Wiebke Schröder

Wiebke Schröder: Startup-Unternehmerin im Unternehmen

© Wiebke Schröder

Sie haben 2009 an Herausforderung Unternehmertum teilgenommen und erste Berührungspunkte mit dem Thema Gründen gehabt. Mit dem Abstand von sieben Jahren: Welche konkrete Erfahrung dabei hat sie am nachhaltigsten geprägt?

Am prägendsten war die Erfahrung, wie viel wir erreichen konnten, weil wir alle von einer Sache begeistert waren. Wir waren davon überzeugt, dass unser Studienwahl-Portal Abiturienten bei der schwierigen Entscheidung Hilfestellung bieten kann. Das – und nicht die Aussicht auf einen monetären Nutzen – war für uns Motivation genug, uns voll einzubringen. Diese Erfahrung leitet mich auch heute: Das Wichtigste ist, hinter einer Sache zu stehen – dann gelingen die Dinge in der Regel auch. Ein monetärer Anreiz allein trägt mich nicht weit genug.

Unischnuppern.de war ja kein gewinnorientiertes Startup. Ihnen war also klar, dass das Projekt langfristig keine Einnahmequelle bedeutet. War nach dem Förderjahr für Sie direkt klar, wie es weitergeht? Haben Sie mit dem Gedanken gespielt, Ihre gesammelte Erfahrung vielleicht in eine spätere eigene Existenzgründung fließen zu lassen?

Mit dem Gedanken, mich selbstständig zu machen, habe ich immer mal wieder gespielt. Für mich war jedoch bereits während des Förderjahres klar, dass ich zunächst Berufserfahrung im Angestelltenverhältnis sammeln möchte. Ich wollte nach der „einsamen“ Arbeit an der Promotion gemeinsam mit Kollegen im Team arbeiten und in größere, komplexe Strukturen eingebunden sein – meine Überzeugung war, dass ich so schneller und mehr lernen kann.

Was genau machen Sie jetzt und was ist Ihr Aufgabenbereich?

Derzeit arbeite ich bei einem französischen Energiekonzern in Brüssel. Dort bin ich im internen Innovationsteam und entwickele neue Produkte und Dienstleistungen. Ich beschäftige mich vor allem mit Marketing- und Vertriebsthemen: Für welche Kundengruppen ist das eine oder das andere Produkt interessant? Mit welchen Botschaften überzeugen wir welche Kunden? Und über welche Kanäle können wir sie erreichen? Das ist eine Mischung aus kreativen Elementen, Analyse, und viel „trial und error“.
    
Würden Sie den Job anders ausüben, wenn Sie sich nicht schon früh in Ihrer Laufbahn mit „unternehmerischem Denken und Handeln“ auseinandergesetzt hätten?

Ja ganz sicher. Wenn ich kein unternehmerisches Gespür hätte, würde ich vermutlich einen anderen Job machen. Meine Kollegen und ich sind „intrapreneurs“ – wir arbeiten zwar in einem Unternehmen, aber können und müssen laufend eigene Ideen entwickeln, einbringen, umsetzen und diese dann auch verantworten.  

Inwiefern können Sie die „unternehmerische Denke“ in Ihr Tätigkeitsumfeld einbringen?

Unser Team ist als internes Startup aufgestellt. Das heißt, wir haben zwar den Komfort eines Großkonzerns im Hintergrund, aber sind im Prinzip wie ein eigenständiges Unternehmen, mit eigener Bilanz und Ergebnisrechnung. Wir müssen daher unternehmerisch denken und handeln. Wir fragen uns zum Beispiel regelmäßig: Was würden wir machen, wenn es unser eigenes Unternehmen wäre? Das führt ganz automatisch zu einem pragmatischen, ergebnisorientierten – eben „unternehmerischen“ – Arbeiten.

Ist ein eigenes Startup noch eine echte Option? Juckt der Gedanke Sie noch ab und zu?

Der Gedanke etwas ganz eigenes zu machen reizt mich schon! Im Moment lerne ich gerade noch viel und kann an spannenden Themen mitarbeiten. Aber wer weiß, vielleicht ist der nächste oder übernächste Schritt der in die Selbstständigkeit...

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