Julia Mehr

Julia Mehr: engagiert für Geflüchtete

© Julia Mehr

Sie nehmen dieses Jahr an Herausforderung Unternehmertum teil. Ihr Team hat sich mit einer Projektidee beworben, die schon zu Beginn des Förderjahres in den Startlöchern steckte und inzwischen sehr erfolgreich aktiv ist: Kiron Open Higher Education. Wie sind Sie zu Kiron gekommen?

Tatsächlich war es die Stiftung der Deutschen Wirtschaft selbst, die mich auf Kiron gebracht hat. Vor dem Ende meiner Förderzeit im Studienförderwerk Klaus Murmann wollte ich gerne bei Herausforderung Unternehmertum mitmachen. Auf der Suche nach eigenen Ideen habe ich auch immer wieder die Facebook-Seite der Stipendiaten und Stipendiatinnen durchgeschaut, um Mitstreiter zu finden oder ein Team, das noch Mitglieder sucht. Letzten August bin ich dann über die Sozialen Medien auf Kiron gestoßen. Nach einem Gespräch mit den Initiatoren und dem bis dahin bestehenden Team war ich überzeugt.

Viele Gründer haben die Zeit, erstmal an der Idee zu basteln, Businesspläne zu schreiben und am Konzept zu feilen. Die Gründer von Kiron haben durch die Flüchtlingswelle einen Bedarf gesehen, die Lösungsidee gehabt und mussten dann ganz schnell handeln. Hat es Vorteile, wenn man ins eiskalte Wasser springen muss? Oder hätten Sie gerne mehr Zeit gehabt, alles erstmal in Ruhe zu überdenken?

Vincent Zimmer und Markus Kreßler, die beiden Gründer von Kiron, basteln bereits seit Juli 2014 an der Idee von Kiron. Die Gründung fand ein dreiviertel Jahr später, im März 2015 statt. Somit gab es Vorbereitungszeit. Dennoch: Die hohe Nachfrage unter Geflüchteten, die Bereitschaft so vieler Ehrenamtlicher, das Interesse der Medien und deutscher Universitäten kam durch die schnell wachsende Zahl an Geflüchteten plötzlich auf uns zu. Da waren viele Schritte gleichzeitig notwendig, die manche Gründer nach und nach gehen. Wir haben Sie alle auf einmal genommen, sind daran gewachsen und haben viel auf dem Weg gelernt.

Welches sind Ihre Aufgaben bei Kiron?

Ich habe für Kiron den Münchner Standort und das Münchner Team auf der Praterinsel aufgebaut, das Student Service Department für sechs Monate geleitet und werde nun ab Juni die Leitung des Personalbereichs übernehmen, da dies mein eigentlicher Studienhintergrund ist.

An Finanzierung mangelt es Ihnen ganz im Gegensatz zu vielen anderen Social Startups ja eher nicht. Kiron hat eine der größten und erfolgreichsten Crowdfunding-Kampagnen gestartet und darüber hinaus schon zahlreiche Partner und Unterstützer gewinnen können, darunter auch Herausforderung Unternehmertum. Wenn nicht das liebe Geld – was benötigt Kiron derzeit am nötigsten?

Wir sind sehr dankbar für das Vertrauen und die große Unterstützung, die uns schon seit Beginn an von zahlreichen Stiftungen, insbesondere der Stiftung der Deutschen Wirtschaft, der schöpflin:stiftung oder der Bertelsmann Stiftung entgegengebracht wurden. Dennoch muss sich jedes Startup auch Gedanken über eine dauerhafte Finanzierung machen.

Aktuell benötigen wir daher vor allem Partnerunternehmen, die gemeinsam mit uns die langfristige Betreuung und Finanzierung von Kiron sicherstellen. Über die dauerhafte Vergabe von Stipendien wäre die Finanzierung weiterer Studienplätze möglich. Im Rahmen unseres begleitenden Mentorenprogramms können Unternehmen mit den Studierenden frühzeitig in Kontakt kommen und, beispielsweise über die Job-Plattform unseres Partners „workeer“, Praktika anbieten. Bei gegenseitigem Interesse gibt es natürlich dann auch die Möglichkeit des direkten Jobeinstiegs.

Die Geflüchteten werden während ihres Studiums bei Kiron optimal auf den deutschen und europäischen Arbeitsmarkt vorbereitet. Sie haben Zugang zu Sprachkursen, können einen Universitätsabschluss oder eine Coding-Akademie absolvieren und durch Mentoren aus den Partnerunternehmen von Anfang an unterstützt werden.

Als Kiron bekannter wurde, war oft vom erfolgreichen Studenten-Startup die Rede. Sind immer noch mehrheitlich Studierende bzw. Uniabsolventen im Team aktiv, oder ist das Pensum neben den Vorlesungen nicht mehr zu schaffen?

Unser ehrenamtliches und studentisches Team hat Kiron zu dem gemacht, was wir heute sind, und noch immer stemmen unsere Ehrenamtlichen einen Großteil der Aufgaben. Manche von ihnen sind in der Zwischenzeit in eine Festanstellung übergegangen, wenn sie zentrale Positionen bei Kiron besetzt haben. Für die vielen Aufgabenbereiche, die im Laufe des letzten Jahres entstanden sind, haben wir aber auch Leute herangezogen, die bereits gute Erfahrung mitbringen. So arbeiten wir daran, Prozesse zu verstetigen, ein kontinuierliches Projektmanagement durchzuführen und trotzdem eine agile und flexible Organisation mit Herz zu bleiben.

Was ist Ihr größter Lerneffekt bisher? Von welcher Erfahrung haben Sie am meisten profitiert?

Am meisten habe ich persönlich beim Aufbau, der Motivation und Leitung eines ehrenamtlichen Teams gelernt. Aus diesem Erfahrungsschatz heraus werde ich bei Kiron nun auch einen strukturierten Personalbereich mit Festangestellten, Projektmitarbeitern und Ehrenamtlichen entwickeln und implementieren. Zudem habe ich viel durch die Herausforderungen gelernt, vor denen man als soziales Startup steht: das Zusammentreffen von sozial und unternehmerisch, das so unvereinbar klingt, es aber nicht ist. Durch Förderprogramme wie Herausforderung Unternehmertum oder die Ashoka Wirkungsschmiede wurde unser Team stets begleitet und wir haben wichtiges Handwerkszeug mit auf den Weg bekommen, auch zukünftige Herausforderungen zu meistern.

Schriftgröße

zurück