Direkt zu den Inhalten springen

Helene Wittek: Persönlichkeitsentwicklung und mentale Gesundheit von Jugendlichen stärken

Wir sprachen mit Helene Wittek, Gründerin und Geschäftsführerin von Dare2Care und Co-Gründerin von OhGrow, über die Bedeutung von Schule als Ort der Persönlichkeitsentwicklung und ihre Zeit bei Herausforderung Unternehmertum.

Mit Dare2Care wollt ihr Jugendlichen Fähigkeiten vermitteln, mit gesellschaftlichen und persönlichen Herausforderungen umzugehen. Dabei setzt ihr auf eine Förderung der Persönlichkeitsentwicklung sowie Stärkung der mentalen Gesundheit. Woher kam die Idee zu eurem Projekt?

Die Idee kam mir während einer Vorlesung zu Sozialpsychologie in meinem Psychologiestudium. Es ging um die Frage, welchen Einfluss Gruppendruck oder Autoritätspersonen auf unser Verhalten und unsere Gedanken haben. Ich fand das in Hinblick auf viele gesellschaftliche Herausforderungen wie Rechtspopulismus, aber auch Herausforderungen im Klassenzimmer wie Mobbing unheimlich spannend und wollte diese Themen in die Schulen bringen.

Um die Jugendlichen zu unterstützen, geht ihr direkt mit Workshops und digitalen Bildungsformaten an Schulen. Warum ist es so wichtig, Schule als Ort von Persönlichkeitsentwicklung zu verstehen?

Die Schule prägt uns wahnsinnig: Neben der Familie ist sie meist der Raum, in dem Jugendliche die intensivsten sozialen und emotionalen Erfahrungen machen. Sie knüpfen Freundschaften und lernen Neues, aber sie stehen dort auch unter großem Stress und haben oftmals Angst, nicht gut genug zu sein – akademisch und persönlich. Doch es gibt in der Schule nur selten Raum, um diese Gefühle zu reflektieren oder um zu lernen, wie man mit emotionalen und sozialen Herausforderungen umgehen kann. Von Schülerinnen und Schülern hört man immer wieder, dass sie das Gefühl haben, dass sie nur als „Lernmaschinen“ und weniger als Menschen gesehen werden. Genau deswegen sind wir bewusst in der Schule aktiv. 

2020 wart ihr eins der sieben Teams bei Herausforderung Unternehmertum. Wie seid ihr auf das Programm aufmerksam geworden und warum habt ihr euch beworben?

Als Stipendiatin (jetzt Alumna) der sdw hat mich das Programm schon immer interessiert und beworben haben wir uns, weil wir uns erhofften, dass uns Herausforderung Unternehmertum gerade in der sensiblen und herausfordernden Anfangszeit hilft, das nötige Handwerkszeug für Unternehmertum an die Hand zu bekommen.

Wie lief die Förderung ab und welche prägenden Erfahrungen konntet ihr aus dieser Zeit mitnehmen?

Prägend war vor allem die Zusammenarbeit mit unseren beiden Coaches, Daniela und Max, die uns wirklich sehr unterstützend und mit viel Know-how zur Seite standen. Aber auch wir als Team sind durch verschiedene Workshops sehr zusammengewachsen, haben unsere persönlichen Stärken kennengelernt und viele Learnings sammeln können.

Wie ging es nach der Förderung bei Herausforderung Unternehmertum weiter?

Während der Förderung waren wir im rechtlichen Gründungsprozess und haben viele Weichen gestellt. Nach der Förderung ging es dann so richtig los: Wir haben einige Fördergelder bekommen, die für uns viel Stabilität und Planungssicherheit bedeuten. So konnten wir auch ein hauptamtliches Team aufbauen und in mehr Städten unsere Workshops durchführen. Zudem haben wir einige größere Kooperationen mit anderen Organisationen und Universitäten, die wir mit Online-Workshops zum Thema Mental Health unterstützen. Auch ein neues Projekt „OhGrow“, mit dem wir Lehrerinnen und Lehrern die nötigen Ressourcen geben wollen, damit sie wiederum ihre Schülerinnen und Schüler in ihrer psychischen Gesundheit und Lebenskompetenzen fördern können, ist gerade in den Startlöchern. 

Heute engagieren sich über 100 Ehrenamtliche bei dare2care. Seit eurer Gründung wurdet ihr zahlreich ausgezeichnet – 2021 unter anderem mit dem Jugenddemokratiepreis der Bundeszentrale für politische Bildung sowie dem Ulrike-Fritze-Lindenthal-Preises der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN). Wie geht es nach all diesem Erfolg weiter? Welche weiteren Ziele verfolgt ihr in Zukunft mit Dare2Care?

Wir freuen uns wirklich riesig über die Unterstützung von so vielen Ehrenamtlichen und auch über die Auszeichnungen – das motiviert uns sehr, uns weiterhin dafür einzusetzen, dass Persönlichkeitsbildung und Mental Health Literacy stärker im Schulsystem verankert wird. Dieses Jahr werden wir unseren 6. Standort gründen und wie erwähnt Ressourcen für Lehrkräfte entwickeln – da haben wir schon allerhand mit zu tun. Langfristig wollen wir uns stärker und gemeinsam mit Schülerinnen und Schülern, Lehrerkräften und anderen Bildungsinitiativen mit mehr politischer Arbeit dafür einsetzen, dass das Schulsystem zukunftsorientierter, innovativer und menschlicher wird.

Vielen Dank für das Interview und alles Gute!

 

 

 

 

 


Foto: Helene Wittek/ Dare2Care